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Swing it like it’s hot

Heute war ein besonderer Tag, das wusste Jürgen. Er stand auf, warf die Bettdecke zur Seite und sprang aus dem Bett, direkt in seine Pantoffeln — Modell: »Leopard 2« in Dunkelbeige. Dann machte er noch fünf Kniebeugen, denn heute musste er in Form sein. Er lief die Treppe nach unten und füllte sich die Tasse randvoll mit dem, noch warmen, Kaffee. Gabi hatte wie immer den Kaffee aufgesetzt, bevor sie zur Arbeit gefahren war, sodass er fertig war, wenn Jürgen aufstehen musste. Mit dem Kaffee in der Hand schlurfte er durch das Haus und ging ins Bad. Dort lag seine Kleidung fein säuberlich gestapelt auf einem weißen Holzhocker. Gabi hatte sie wie immer schon angerichtet. Er schlüpfte in eine braune Hose, zog ein graues Hemd und darüber einen dunkelgrünen Strickpullover an. Die drei Haare die er noch auf dem Kopf hatte, kämmte er sich zurecht. Mit dem nassen Kamm fuhr er sich noch einmal durch den Schnauzer. »Pornobalken« nannte er ihn liebevoll. Seit den 70ern trug er ihn und nie hatte er ihn abrasiert. Nicht einmal, als sein Chef ihn Anfang der 2000er anblaffte, was »dieser Rattenpelz« in seinem Gesicht sollte. Darauf war Jürgen stolz.
Sein Arbeitstag verging wie im Flug, doch die letzte Stunde war zäh. Alle fünf Minuten sah er auf die Uhr, doch die Zeit schien stehen geblieben. Endlich war es soweit. Er warf den Kollegen nur ein kurzes »Tschüss« entgegen und rannte schon fast zu seinem Auto. Zuhause angekommen wartete Gabi schon auf ihn. Er gab ihr zur Begrüßung einen Kuss auf die Backe und beide setzten sich an den Küchentisch. Sie stellte das Essen auf den Tisch und beide begannen zu Essen. Jürgen hatte einen riesigen Hunger, doch er durfte nicht zu viel essen. Mit vollem Magen konnte heute viel schiefgehen.
»Wie war dein Tag?« fragte Gabi.
»Jut. Und deiner?« fragte Jürgen.
»Gut.«
Beide aßen weiter.
»Soll ich zuerst duschen gehen?« fragte Gabi.
»Ja, ist jut.« antwortete Jürgen.
Beide aßen weiter.
»Langsam wird et wirklich Herbst.« sagte Jürgen.
»Ja.« antwortete Gabi.
Beide hatten aufgegessen.
Gabi verstaute das Geschirr in der Spülmaschine und Jürgen stapfte schwer schnaufend die Treppe nach oben ins Schlafzimmer. Dort stellte er sich vor den Kleiderschrank und überblickte die Lage. Er griff nach seinem besten Anzug. Er musste sich ja schick machen heute. Während er seine Kleidung richtete, war Gabi mit dem Duschen fertig. Sie hatte ein Handtuch umgebunden und lief zu ihrem Teil des Kleiderschranks.
»Kannst jetzt duschen. Ich bin fertig« sagte sie.
Jürgen lief Richtung Badezimmer und schlug ihr im Vorbeigehen mit der flachen Hand auf den Hintern.
»Jürgen!« zischte sie.
Ohne darauf zu reagieren ging er ins Badezimmer und sprang unter die Dusche. Das war nicht die letzte heiße Dusche, die er heute nehmen würde. Vor dem Spiegel ging er noch einmal die gleiche Prozedur wie am Morgen durch: Haare kämmen und Schnauzer zurechtmachen. Doch diesmal verweilte er noch etwas und musterte sich im Spiegel. Der haarige Bierbauch, war so groß, dass er sein Teil von oben gar nicht mehr richtig sehen konnte. Die Halbglatze glänzte im Licht der Badezimmerlampe und ein leichtes Doppelkinn war auch zu erkennen. Er hatte den Körper eines Adonis, davon war Jürgen überzeugt. Die Frauen flogen einfach auf ihn, das würde er heute Abend wieder bewiesen bekommen und spüren. Beziehungsweise würde er es die Ladies spüren lassen. Er zog sich an und rückte sich die Krawatte zurecht. Ein letzter Blick in den Spiegel: Alles top. Gerade wollte er das Badezimmer verlassen, als ihm einfiel, dass er etwas vergessen hatte. Er öffnete den Badezimmerschrank und holte eine kleine Packung mit Pillen raus. Die würde er bestimmt nicht brauchen, aber sicher ist sicher. »Für den Notfall«, dachte er sich.
Im Wohnzimmer wartete Gabi bereits. Auch sie hatte sich in Schale geworfen und die besten Stücke aus dem Schrank angelegt. Er nahm ihre Hand und begleitete sie zum Auto. Heute hielt er ihr sogar die Tür auf. Sie fuhren los. In Richtung dieses besonderen Ortes, den sie nur einmal im Monat aufsuchten. Das war auch der einzige Ort und Zeitpunkt zu dem noch etwas ging, denn ihre Ehe war ein wenig eingeschlafen. Jürgen versuchte sich daran zu erinnern, wann das letzte Mal in ihrem Schlafzimmer so richtig die Wände gewackelt haben, der Ofen so richtig geheizt wurde, die Wunderlampe so richtig poliert wurde. Bestimmt war das gut drei Jahre her. Wahrscheinlich noch länger, er hatte kein wirklich gutes Gedächtnis.
Das Auto bog in die Einfahrt ein. Der halbe Parkplatz war belegt. Wahrscheinlich waren sie wie immer die Letzten. Beide stiegen aus und liefen auf die Eingangstür zu. Es war ein weißes Gebäude, dessen Fassade mittlerweile eher grau-grün schimmerte. Über der Tür hing ein riesiges Schild mit der Aufschrift »FKK-KLUB«. Ja, hier war Jürgen gerne.
Als sie die Tür öffneten kam ihnen ein Geruch von Schweiß, Rauch und altem Teppich entgegen. Sie begrüßten die Anderen. Da waren einmal das Ehepaar Maier, das Ehepaar Friedling, Herr Schmidt, der immer mit seiner »Nachbarin« Frau Kubitschek hier war und die Ehepaare Gibbels und Gering. Jürgen und Gabi setzten sich an einen Tisch. Gabi bestellte wie immer eine große Apfelschorle und Jürgen ein Bier und einen Schnaps. Er war ein wenig aufgeregt und wie immer musste er sich erst Mut antrinken, um den Hengst rauszulassen. Innerhalb weniger Minuten kippte er die Plörre runter. Dann nickte er Gabi zu. Diese nickte zurück. Das war das Zeichen, dass es losgehen konnte. Beide standen auf und gingen Richtung Zimmer. Im vorbeigehen griff Jürgen noch einmal beherzt in die Schüssel auf der Bar und nahm eine Handvoll Gummis mit. Die anderen Männer im Raum nickten ihm anerkennend zu. Ja, Jürgen war hier der Platzhirsch im Raum. Hinter seinem Rücken nannten ihn alle »den Rammler«. Wäre das Jürgen zu Ohren gekommen, wäre er aber auch stolz drauf gewesen. Denn Jürgen »schlief« nicht mit Frauen, sondern er poppte. Er selbst behauptete von sich im Bett ein Stier zu sein. 125 Kilogramm pures Testosteron mit einer Prise Viagra.
Er schloss die Tür hinter sich und Gabi, lehnte sie aber nur ein Stück an. Die anderen sollten sie hören können. Vielleicht würde noch jemand dazukommen, wenn alle hören würden, wie er Gabi in Ekstase brachte. Gabi zog ihre Kleidung aus. Darunter hatte sie diese geilen Dessous, die ihr Jürgen mal Mitte der 90er gekauft hatte.
»Na, du jeile Fickstute. Soll ick et dir heute wieder so rischtig jeben?« lies Jürgen über seine Lippen gleiten. Darauf standen die Frauen, das wusste er. Sie mochten es einfach, wenn er mit derben Worten zeigte wo es lang ging.
»Oh ja, komm her du Hengst!« antwortete Gabi.
Jürgens Geschmack nach zu urteilen hätte sie ruhig etwas mehr Elan zeigen können, aber er gab sich damit auch zufrieden. Er lies die Hose runter und atmete auf. Sein kleiner Jürgen stand wie ein Weltmeister. Das Viagra konnte er heute getrost in der Tasche lassen. Gabi saß schon auf dem Bett. Er fummelte an ihrem BH rum und scheiterte zum tausendsten Mal an dem Verschluss. Gabi seufzte und öffnete ihn selbst.
»Ja, dat sind ma zwei Milchschläuche!« rief Jürgen als er ihre Brüste sah. Er nuckelte kurz an ihren Nippeln und sah sie dann erwartungsvoll an. Jetzt war es seiner Meinung nach an der Zeit, dass Gabi an etwas nuckelte. Als sie anfing lies er ein zufriedenes Grunzen los. Das konnte Gabi schon immer gut. Bevor sie zu gut wurde, gab er ihr zu verstehen, dass es jetzt genug war und er auf etwas anderes Lust hatte. Gabi kannte das Prozedere schon, denn so lief es immer ab, wenn sie hier waren. Sie ging auf alle Viere und Jürgen kniete sich hinter sie.
»Dein Fötzchen is aber auch wieder nass, du. Hohoho« rief er.
»Oh ja. Schieb mir deinen Lustprengel rein« sagte Gabi, wieder mit etwas zu wenig Elan.
Aber das konnte Jürgen jetzt nicht mehr aufhalten. Der Tiger war in ihm geweckt worden. Wie ein Presslufthammer stieß er zu. Nach kurzer Zeit musste er aber einen Gang zurückschalten. Die Hüfte. Er war ja auch nicht mehr der Jüngste. Trotz dass er etwas langsamer machen musste brachte Jürgen es trotzdem zu Ende.
»Ick komme!« rief er. Gabi drehte sich um.
»Komm, spritz deinen Ficksaft über mich.« sagte sie und legte noch einmal Hand an. »Ich melk dich so richtig ab!«
Jürgen presste ein paar Tropfen aus seinem Gemächt und sah zufrieden auf Gabi runter.
»Und? Wie war et für dich?« fragte er.
»Toll!« sagte Gabi.
»Ick ruh mich jetzt mal ein bisschen aus!« sagte Jürgen und legte sich aufs Bett.
»Ist gut.« sagte Gabi und verlies den Raum.
»Sei aber nicht enttäuscht, von den janzen Amateuren da draußen, hehehe« lachte Jürgen. Sein Lachen ging in Raucherhusten über. Dass die ganzen anderen Typen nochmal an Gabi ran durften störte ihn nicht. Denn er wusste ja, dass niemand ihm das Wasser reichen konnte. Mit diesen Gedanken schlief er ein und machte ein kleines Nickerchen.
Drei Stunden später wachte er wieder auf, als Gabi ihn weckte. Beide zogen sich an verabschiedeten sich bei den anderen. In einem Monat würden sie wieder hier her kommen. Sie verließen das Gebäude, was nach Schweiß, Rauch, Ejakulat und altem Teppich roch.
»Sag mal Jürgen, weißt du eigentlich wo das Häckeldeckchen vom Wohnzimmertisch hingekommen ist? Das suche ich schon seit Tagen.« fragte Gabi als sie in ihr Auto einstiegen.

 

Die Idee zu diesem Text ist zusammen mit Janie entstanden. Ihre Ausarbeitung findet ihr hier

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