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Technologie, Natur und unser Untergang — James Camerons Narrative

James Cameron ist der erfolgreichste Regisseur aller Zeiten. Zumindest, wenn man nach den Box Office Ergebnissen geht. Zwei seiner Filme, Avatar — Aufbruch nach Pandora und Titanic führen die Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, gemessen am Einspielergebnis, an. Der einzige Regisseur, der ebenfalls mit zwei Filmen in den Top 10 der erfolgreichsten Filme vertreten ist, ist Joss Whedon mit den ersten beiden Avengers Filmen. Warum James Cameron so erfolgreich ist, kann ich nicht beantworten.  Aber allein die Tatsache, dass er es ist, macht einen genaueren Blick auf seine Filme umso interessanter.

Diese Artikelreihe möchte sich einigen seiner Filme widmen, die allesamt schon lange in unser popkulturelles Gedächtnis eingegangen sind: Terminator 1 & 2, Aliens, Titanic und schließlich Avatar. Ich möchte aufzeigen, dass viele seiner Filme die gleichen und ähnliche Narrative besitzen. Im ersten Teil dieser zweiteiligen Reihe soll es um die Filme Terminator 1 & 2, Aliens sowie Titanic gehen. Im zweiten Teil wird es ausführlicher um Avatar gehen, wobei dann auch die herausgearbeiteten Narrative aus diesem Artikel mit denen von Avatar zusammengeführt werden. Es soll keine ausführliche Analyse der Filme vollzogen werden, sondern lediglich die Narrative und Motive, welche mir selbst aufgefallen sind aufgezeigt werden.

Cameron zählt zu den klassischen Autorenfilmern. Bei allen hier besprochenen Filmen hat er mindestens Regie geführt und maßgeblich am Drehbuch mitgeschrieben. Somit hat er die fast vollständige kreative Kontrolle über die hier besprochenen Geschichten. Beginnen möchte ich mit den ersten beiden Terminator-Teilen. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Die Menschheit wird durch einen Atomkrieg fast vollständig vernichtet. Ausgelöst wurde dieser durch das Skynet, einer künstlichen Intelligenz, einem bewussten Computerprogramm, welches nach dem Atomkrieg auch noch einen Krieg gegen die Menschheit selbst, ausgeführt durch Maschinen und Roboter, beginnt. Arnold Schwarzenegger wird von den Maschinen in die Gegenwart der 80er Jahre zurückgeschickt um Sarah Connor zu töten. Denn sie wird einmal die Mutter des Anführers des menschlichen Widerstandes gegen die Maschinen. Ein anderer Widerstandskämpfer, Kyle Reese, wird ebenfalls in der Zeit zurück geschickt um Sarah Connor zu retten.
Im zweiten Teil wird Arnold Schwarzenegger nochmal aus der Zukunft zurück geschickt. Diesmal wurde er aber umprogrammiert und soll den bereits geborenen Anführer des Widerstandes, John Connor, schützen. Das Skynet schickt ebenfalls einen Androiden, den T-1000 zurück, um John Connor zu töten. Im Laufe der Handlung finden die Protagonisten heraus, dass ein Wissenschaftler der Firma Cyberdyne die Verantwortung für die künstliche Intelligenz Skynet trägt und diese entwickeln wird. Am Ende entschließen sich die Protagonisten und der Wissenschaftler dazu alle bisherigen Forschungsergebnisse zu zerstören. Im letzten Kampf wird auch der T-1000 und die letzten Überreste der Forschung zerstört. Um die Menschheit nicht erneut in Gefahr zu bringen zerstört sich Arnold Schwarzenegger zuletzt selbst, da die Überreste des Androiden aus dem ersten Teil die technologische Grundlage für die Entwicklung von Skynet lieferten. Sarah Connor schließt den Film mit einem Monolog über die unbekannte Zukunft der Menschheit. Im Großen und Ganzen zwei sehr gute Filme, die sich wie keine anderen Filme in das popkulturelle Kollektivgedächtnis aller nachfolgenden Generationen gebrannt hat. Doch welche Narrative verbergen sich in diesen zwei Filmen?

Das erste Narrativ, das festgemacht werden kann ist »Die Technologie ist unser Untergang«. Und das gleich in mehreren Formen: Zunächst einmal zerstört sich im Terminatoruniversum die Menschheit mehr oder weniger selbst durch einen atomaren Krieg. Diese apokalyptische Vorstellung ist gerade zu Zeiten des Kalten Krieges und vor allem danach nicht gerade neu und wenig verbreitet, passt aber dennoch zu dem restlichen Narrativ. Denn ausgelöst wird dieser Atomkrieg durch Skynet selbst. Quasi schon am Boden liegend wird die Menschheit anschließend weiter durch Kriegsmaschinen, -roboter, Androiden und die künstliche Intelligenz Skynet bedroht, ja sogar nach der nuklearen Katastrophe noch weiter an den Rand der Auslöschung getrieben und zur Versklavung oder Vernichtung verdammt. Zwar rettet die Technologie innerhalb der Handlung die Protagonisten: Kyle Reese wird im ersten Teil durch eine Zeitmaschine zurück geschickt und im zweiten Teil rettet sogar ein Android selbst die Protagonisten. Allerdings wird das ganze mit der Auflösung des Konflikts am Ende des zweiten Teils wieder aufgehoben: Selbst die Maschinen, die die Protagonisten gerettet haben sind eine Bedrohung, die zur Vernichtung führen, und müssen in letzter Konsequenz zerstört werden. Nicht nur das: Selbst die Forschung daran muss zerstört werden, damit die künstliche Intelligenz gar nicht erst erschaffen werden kann.

Hier zeigt sich also deutlich, dass in den ersten beiden Terminator-Teilen die Technologie als ultimative Bedrohung für die Menschheit angesehen wird. Die nukleare Vernichtung wird nicht einmal durch die korrumpierte Menschheit selbst initiiert, sondern durch die künstliche Intelligenz, die durch Menschenhand geschaffen wurde. Der belehrende Zeigefinger hebt sich hier nicht gegen Gewalt durch Menschen und die Gefahr durch Krieg andere auszulöschen, sondern gegen den Forschungsdrang des Menschen, den Willen danach sich die Technologie zunutze zu machen und Intelligenz erschaffen zu wollen. Das Narrativ der wild gewordenen KI ist beliebt und findet sich natürlich auch außerhalb der Werke Camerons (z.B. Eagle Eye, i Robot, 2001 – Odyssee im Weltraum, Matrix, Tron, Ghost in the Shell). Dennoch besteht hier eine Verbindung zu weiteren Narrativen, denen sich James Cameron bedient.

Zwischen den beiden Terminator-Filmen drehte Cameron einen weiteren Film, der bis heute einen Kultstatus hat und in der Popkultur fest verankert ist: Aliens. Aliens ist die Fortsetzung des 1979 erschienen Films Alien, welcher von Ridley Scott gedreht wurde.

Dieser Teil spielt 57 Jahre nach den Vorkommnissen des ersten Teils. Ripley wird in der Rettungskapsel durchs Weltall treibend gefunden und aus ihrem Kälteschlaf geweckt. Kurze Zeit später erfährt sie, dass auf dem Planeten, auf dem sie und ihre Crew in Teil 1 die Alieneier gefunden hatten, mittlerweile eine menschliche Kolonie ist. Doch der Kontakt zu dieser reist kurze Zeit später ab. Zusammen mit einer Einheit Marines reist Ripley auf diesen Planeten. Angekommen ist nach relativ kurzer Zeit klar, dass die Kolonie fast vollständig ausgelöscht wurde. Wie der Titel schon verrät durch die Aliens, welche schon in Ridley Scotts Film die Bedrohung darstellen. Während der Handlung stellt sich heraus, dass, wie schon in Teil 1, die Firma für die Ripley arbeitet das Alien fangen wollte um es als eine Art biologische Waffe einzusetzen, da es den ultimativen Jäger darstellt. In einem epischen Endkampf besiegt Ripley die Aliens und die Alienqueen und kann fliehen.

Hier zeigt sich ein Narrativ, was ergänzend zu dem Technologie-Narrativ ist: »Die Natur ist uns überlegen«. Neu ist dieses Narrativ im Alienuniversum bei weitem nicht. Der erste Teil beschäftigt sich ebenfalls mit dem evolutionär perfekt angepassten Jäger, der Killermaschine die von Mutter Natur erschaffen wurde. In Teil 2 kann nicht einmal eine Einheit ausgebildeter Marines den Aliens etwas entgegen wirken, geschweige denn eine ganze Kolonie bestehend aus Zivilisten. Die Chancen des Menschen hier gegen die Natur anzukommen gehen gegen Null. Obwohl die Menschheit das Weltall bereist, Kolonien auf fremden Planeten gründet und sogar deren Umwelt ändert, damit diese nicht mehr Lebensfeindlich sind, ziehen wir Menschen trotzdem den Kürzeren. Auf alles hat Mutter Natur eine noch gewieftere, gefährlichere und angepasstere Antwort. Nur mit Hilfe von primitiven technischen Mitteln in Form eines riesigen Laderoboters gelingt es Ripley die Alienqueen zu besiegen. Hier könnte ein kleiner Widerspruch zu dem Technologie-Narrativ liegen, allerdings ist es schlussendlich doch Ripleys Überlebenswille, der die Alienqueen in die unendlichen Weiten des Orbits befördert und nicht die Technologie an sich. Der Laderoboter stellt nur ein Werkzeug dar und ist nicht, wie die Roboter in den beiden Terminator-Filmen, mehr als ein Werkzeug und ein eigenständiger Akteur. In Terminator ist es viel mehr die Technologie, das Streben nach menschenähnlichen, intelligenten Maschinen, die die ultimative Bedrohung der Menschheit darstellt. Und damit letztendlich auch eine ethische Frage, derer sich Cameron hier im Subtext annimmt und subtil(er als in Avatar) beantwortet.

Das Narrativ der überlegenen Natur taucht auch in Titanic auf. Hier müssen natürlich Einschränkungen gemacht werden, da der Mythos des »unsinkbaren Schiffs«, das doch durch die Natur bezwungen wurde, schon vor Cameron bestand, aber dennoch war er es, der sich dieser Geschichte annahm.

Das zweite Narrativ, das in Aliens etwas mehr am Rande angesprochen wird, ist »Kapitalismus (besonders Gewinnstreben) ist unser Untergang«. Aber nicht nur in Aliens kommt es vor, sondern auch in beiden Terminator-Filmen. Der Anstoß für die Handlungen sind in allen drei Filmen Firmen — Cyberdyne und Weyland-Yutani. In Aliens stoßen sie die Handlung damit an, das Alien in ihren Besitz bringen zu wollen, in Terminator 1 und 2 entwickelt Cyberdyne die KI Skynet. Dass diese Firmen dies nicht aus reinem Forschungsdrang tun wird mindestens implizit in der Handlung genannt. In Aliens allerdings offensichtlicher als im Terminatoruniversum. Dort will Weyland-Yutani das Alien in seinen Besitz bringen, um es zu eigenen Zwecken, nämlich dem Einsatz als Waffe, zu nutzen. Dass diese Firma in ökonomischen Maßstäben denkt wird auch gleich zu beginn des Filmes klar, als es darum geht, dass Ripley in Alien den großen Rohstofftransporter zerstört und damit eine große Summe Geld in den Orbit gepustet hat. Hier übt Cameron also eine Kapitalismuskritik, indem er in der Handlung die Konsequenzen aufzeigt, die durch Gewinnstreben aufkommen können: Die letztendliche Zerstörung der Menschheit und des Planeten.

Was sagt uns das also, wenn wir die Narrative aus Aliens, Terminator 1 & 2 (und Titanic) ansehen, über Cameron aus? Zunächst einmal zeichnen sich diese Filme durch eine Technikskepsis aus. Der Fortschritt wird hier angezweifelt, ja sogar in das absolute Negativ umgekehrt: Die Menschheit bessert sich nicht, sondern treibt sich an den Rand der Vernichtung. Diese Technikskepsis drückt sich im Endeffekt auch durch das Natur-Narrativ aus, bei dem die Natur zu guter Letzt immer wieder die Oberhand gewinnt und den Menschen zurechtweist und sich selbst korrigiert. Diese Technikskepsis zeichnet sich auch dadurch aus, dass Cameron die Zukunft durchgehend als dystopisch darstellt. In Terminator wird dies explizit angesprochen, in Aliens geschieht das eher implizit und auf der visuellen Ebene: Der Film spielt auf einem steinigen, stürmischen und lebensfeindlichen Planeten, auf dem es zudem auch noch immer dunkel ist. Vergleicht man dies mit den Bildern von der Zukunft aus Terminator 1 sind die Parallelen recht offensichtlich.

Cameron vertritt in diesen Filmen konservative, reaktionäre Werte, mit dem (sehr vereinfachten) Credo »Technik ist schlecht, Natur ist gut«. Dazu gesellt sich eine Kapitalismuskritik, die vor allem auf die Gefahren hindeutet, die durch ein entfesseltes Gewinnstreben hindeuten: Die Natur wird missbraucht, der Mensch wird sich selbst zerstören und Menschenleben werden dem Gewinn untergeordnet. Alles in allem kann man aber doch auch noch ein Plädoyer für den Pazifismus herauslesen, da Cameron unmissverständlich vor allem die Forschung nach Waffen aufs Schärfste kritisiert.

Im nächsten Teil dieses Artikels soll es um Avatar gehen und inwieweit diese Narrative wiederzufinden sind und vor allem erweitert wurden.

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