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Sonnenstrahlen

Dieser Text wurde zum ersten mal am 10.02.14 veröffentlicht.

Ein Sonnenstrahl verirrte sich durch einen kleinen Spalt des Vorhangs und traf ihn genau im Gesicht. Trotz geschlossener Augen blendete es ihn so sehr, dass er die Hand vor sein Gesicht heben musste. Es dauerte einige Augenblicke bis sein Hirn alles verarbeitete und erst jetzt drehte er sich zur Seite, sodass der Sonnenstrahl ihn nun am Rücken traf. Er lag so eine halbe Stunde da, doch der Sonnenstrahl hatte ihn geweckt und das wieder Einschlafen wohl unmöglich gemacht. Also warf er die Decke zur Seite, stand auf und lief zu seinem Kleiderschrank um sich anzuziehen. Er wählte einen großen gemütlichen Pullover und eine alte Hose. Die Treppe knarzte laut, als er hinunter ging, um etwas zu essen. Sein Magen knurrte schon ziemlich laut, doch zu seiner Enttäuschung war nichts im Haus. Er fand noch zwei Scheiben altes Brot, aber sein Appetit hielt sich jetzt doch in Grenzen und er ging wieder nach oben, wo er sich erstmal eine Kippe ansteckte. Der Rauch stieg nach oben und malte kleine Muster in die Luft, die nach wenigen Sekunden schon wieder verschwunden waren. Als er fertig war, startete er seinen alten PC und machte etwas Musik an.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass anscheinend niemand anderes im Haus war. Das war eine recht merkwürdige Tatsache, da sonst immer jemand im Haus war. Er öffnete die Tür und hörte noch einmal heraus. Kein Geräusch, außer die Musik war zu hören. Nun ging er aus seinem Zimmer heraus und überprüfte alle Zimmer, doch er konnte niemanden finden. Er sah auch auf dem Küchentisch nach, ob irgend ein Zettel dort liegen würde, aber es war keiner da. Verwundert über diesen Umstand ging er nach oben, aber dachte nicht viel weiter darüber nach. Er lies sich in sein Bett fallen und hörte weiter der Musik zu. Eine unglaubliche Müdigkeit überkam ihn, doch er konnte nicht einschlafen. Stattdessen lag er nur so da und sah die Decke an. Die Sonne zog am Fenster vorbei und ging auch schon bald unter. Er zog sich aus, legte sich wieder hin und schlief dann nach circa einer Stunde auch ein. Am nächsten Morgen wurde er wieder von einem Sonnenstrahl geweckt. Wieder drehte er sich um, konnte aber nicht schlafen. Obwohl er gestern den ganzen letzten Tag nichts getan hatte fühlte er sich müde und erschöpft. Sein Magen knurrte, doch er fühlte keinen Appetit. Egal an welches Essen er dachte, Lust hatte er auf keines davon. Eine Kippe musste also reichen.

Er ging nach unten und konnte wieder niemanden antreffen. Wie gestern sah er das ganze Haus durch, doch niemand war anwesend. Merkwürdig, dachte er sich. Wieso waren auf einmal alle weg. Das konnte doch nicht sein. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass sie etwas gesagt hätten, dass sie weg gehen würden. Er beschloss wieder in sein Zimmer zu gehen. Wieder lag er da. Wieder ging die Sonne auf. Wieder weckte ihn der Sonnenstrahl. Wieder kein Hunger. Wieder niemand zu Hause. Die komplette Situation schien ihn zu verschlingen und nicht wieder auszuspucken. Was könne er nur tun, fragte er sich. Er dachte, vielleicht würde er draußen irgendwas finden, was die Situation einigermaßen erklären würde. Also ging er runter zur Haustür, doch diese war verschlossen und lies sich nicht öffnen. Als er zu dem Schlüsselbrett neben der Tür griff fiel ihm auf, dass kein Schlüssel an diesem hing. Er ging zur Hintertür, die in den Garten führte, doch auch diese war verschlossen und kein Schlüssel war in der Nähe. Zuerst lies man ihn hier und dann sperrte man ihn auch noch ein? Was sollte das alles, fragte er sich. Er begriff diese Situation überhaupt nicht. Wie eine große Welle riss sie ihn mit sich und drückte ihn nach unten, um ihn irgendwann leblos an einem Strand anzuspülen. Das alles war so erdrückend. Er verspürte einen starken Druck auf seiner Brust, welcher ihm das Atmen massiv erschwerte. Irgendwie müsse er Luft bekommen und dann hier wieder hinaus kommen. Er machte sich auf den Weg nach oben, um an sein Fenster zu gehen, damit er etwas frische Luft schnappen konnte. Die einzelnen Treppenstufen waren plötzlich so hoch, dass er hüpfen musste, um an den oberen Rand zu gelangen. Dort musste er dann seinen ganzen Körper hochziehen. Allerdings waren die Stufen nur minimal breit, sodass er dort drauf nicht sitzen oder liegen konnte. Er musste stehen und sich an die Stufe drücken, um nicht herunterzufallen. Schon nach wenigen Stufen war er so erschöpft, dass er fast nicht mehr konnte. Der Druck auf seiner Brust machte es ihm unmöglich richtig zu Atmen. Er sammelte seine Kräfte und erklomm dann die letzten Stufen. Oben angekommen schaffte er es nicht mehr zum Fenster, sondern lies sich in sein Bett fallen und schlief. Ein Sonnenstrahl weckte ihn.

Er suchte wieder das Haus ab, niemand war da. Der Druck auf seiner Brust war immer noch nicht verschwunden. Zu dem Druck kam nun auch ein Druck in seinem Kopf. Was passierte hier nur, fragte er sich. Er war allein hier. Alles war so schwer und er konnte nicht fort. In der Küche bemerkte er plötzlich etwas in seinem Augenwinkel. Er sah dort hin, wo er meinte etwas gesehen zu haben. Es war das Fenster. Dort standen nun plötzlich einige Personen. Er lief sofort hin und rief ihnen zu, wieso sie draußen seien und dass es ihm schlecht ginge. Vielleicht könnten sie ihm ja helfen. Sie standen da und starrten ihn an. Er rief nun noch einmal lauter, wieso sie draußen waren und dass er diesen unglaublich schweren Druck auf der Brust und im Kopf hatte. Doch sie schienen ihn nicht zu hören oder ihn zu ignorieren, denn sie taten nichts und starrten nur weiter. Die Anwesenheit, dieser Menschen, auf die er so gehofft hatte, welche aber nichts taten, wurde unerträglich. Der Druck, das schwere Atmen. Alles brach über ihm ein. Die Blicke durchbohrten ihn. Das Schweigen war unerträglich. Wieso taten sie nichts? Das Schweigen fraß sich durch alles in seinem Kopf hindurch. Der Druck lies ihn nicht mehr atmen. Auf dem Tisch lag ein Messer. Er nahm es und stach zu und schnitt. Die Menschen starrten. Er schnitt. Der Druck hörte auf. Das Schweigen wurde durchbrochen. Die Tür sprang auf.

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