Suche Menü

Friseurbesuche.

Puh, das hier ist der erste Blogartikel. Da muss man eigentlich eine spannende und verrückte Geschichte auspacken, damit die Leser auch dranbleiben, oder? Tja, die hab ich nicht, leider bin ich nicht die Vice. Ich hatte keine crazy Drogeneskapaden, war noch nie im Berghain und über Analsex will ich auch nicht unbedingt schreiben.

Deswegen widme ich mich den spannenden Dingen im Leben, nämlich Friseurbesuchen. Die können eine abenteuerliche Sache sein, wenn man sich eine andere Frisur machen lässt, sich die Haare färbt oder sowas. Ich aber hatte in meinem ganzen Leben zwei verschiedene Frisuren. Die erste, welche immer mit den Worten »einfach kurz machen« eingeleitet wurde, hatte ich glaube ich so 16 bis 17 Jahre, also auch quasi seit meiner Geburt. Dann mit 16 oder 17 entschied ich mich für was Anderes: Den Seitenscheitel. Spektakulär. Diese Frisur habe ich jetzt dann auch seit fünf, sechs Jahren.

Was mache ich also, wenn ich merke, dass meine Haare wieder sehr lang geworden sind und mein Seitenscheitel sich in die Frisur des 15 jährigen Justin Biebers zu transformieren droht? Ich schiebe den Anruf zum Termin machen so ein, zwei Wochen auf. Man soll ja nichts überstürzen. Ab und zu denke ich dann drüber nach, ob mir eine He-Man Frisur nicht doch stehen würde und ich die Haare nicht einfach sprießen lassen sollte. Ne, sollte ich nicht. Also wird dann doch angerufen. Unendlich lange kommt mir die Zeit zwischen den Freizeichen vor. »Friseursalon Pfschschschnmmm« höre ich meinen Friseur in das Telefon nuscheln. »Hallo, Markus Paradise hier, ich möcht’ gern einen Termin machen« — »Wann passts denn?« fragt er dann. »Eigentlich immer« sage ich (ich bin ja Student). Dann wird der Termin ausgemacht und ich lege auf. Wenn es endlich soweit ist und ich eigentlich nur noch mit Mütze rumlaufe, da ich niemandem das Etwas auf meinem Kopf antun will, gehe ich fünf Minuten vorher los und komme genau dann an, wenn er gerade die letzten Schnitte am Haupt irgendeines grauhaarigen Mannes ansetzt. Dann wird abkassiert und ich setze mich hin. »So was machen wir heute?« fragt er. »Alles wie immer. An der Seite kurz, oben länger lassen und einen Seitenscheitel« sage ich. Dann fragt er noch wie kurz es an der Seite werden soll. Ich beschreibe es und er packt seinen Rasierapparat heraus und fängt an meine Haare zu kürzen.

Jetzt geht das Abenteuer los. Ich gehe seit meinem ersten Lebensjahr in diesen Friseursalon, aber die Angst kriecht in mir hoch mich falsch ausgedrückt zu haben oder dass er nicht richtig zugehört hat. Oder wir beide unterschiedliche Vorstellungen von »kurz« haben. Vielleicht habe ich dieses mal das »kurz« auch anders ausgesprochen, anders betont, was weiß ich und in der Friseursprache bedeutet das dann soviel wie »Komm, Meister. Mach die Matte weg, ich brauch Luft da oben.« Was, wenn ich mit Halbgaltze da rauslaufen muss? Dabei hilft auch nicht gerade, dass ich meine Brille absetzen muss, ohne die ich so gut wie blind bin. Also kann ich nicht abschätzen, was er gerade tut. »Beruhig dich, der macht dir seit sechs Jahren immer die gleiche Frisur und sie sah bisher jedes Mal exakt gleich aus« sage ich mir. Er schneidet fleißig weiter. Meine Hände vergraben sich in den Lehnen des 20 Jahre alten Friseurstuhls, ich schaue mit zusammengekiffenen Augen in den Spiegel und versuche irgendetwas zu erkennen. Klappt natürlich nie. Dann versuche ich anhand der Töne des Rasierapparats, dem Gefühl am Kopf und der Menge der herunterfallenden Haare festzustellen, was jetzt Phase ist. Schätzen konnte ich aber nie, weswegen ich mich innerlich damit abfinde heute mit Halbglatze nach Hause zu gehen.

Bevor ich diesen Gedanken fertig gebracht habe, beginnt schon die nächste Sache: Smalltalk. »Und alles gut?« fragt er. »Joa« antworte ich und nicke so gut es geht, während er in meinen Haaren wühlt. »Ah, das ist gut« antwortet er darauf. Kurze Pause. »Das ist auch wieder ein Wetter!« setzt er zum letzten Versuch an. »Ja, schon richtig warm« sage ich dann. Daraufhin sagt er nichts mehr, kurz herrscht unangenehme Stille, bis wir beide uns aber damit abfinden, dass ich kein Bock auf Smalltalk habe. Man hört jetzt nur noch Scheren, Rasierapparate und den schlechten Radiosender, der im Hintergrund immer die gleichen Songs abspielt. Jetzt geht alles ganz schnell, gefühlt zwei, drei Schnitte und die Frisur sitzt. Ich kann meine Brille wieder aufziehen und die Frisur begutachten: Doch keine Halbglatze. Alles nochmal gut gegangen.

Ich bezahle. Das letzte Abenteuer beginnt. Natürlich weiß ich nie wann man »Tschüß« sagen soll.  Nach dem bezahlen? Wenn man die Jacke anzieht oder wenn man fast draußen ist? Meistens sagt er direkt nach dem Bezahlen »Tschüß«, was ich auch erwidere. Dann muss ich aber noch meine Jacke anziehen und stehe eine halbe Minute rum, weil ich mit den Kleiderhaken kämpfe. Ich öffne die Tür nach draußen und rufe noch einmal »Tschüß« in den Laden. »Du Depp, du hast das doch schonmal gesagt« denke ich mir.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.