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Das geöffnete Fenster, während eines schneelosen Winters

Dieser Text erschien zum ersten mal am 01.07.14.

Sie wachte auf. Das Gewitter hatte aufgehört und es prasselten nur noch Regentropfen gegen das geschlossene Fenster. Die Tropfen waren nun viel kleiner, als sie zu Beginn des Gewitters gewesen waren. Vereinzelt liefen sie die Scheibe nach unten, um sich dann mit anderen Tropfen zu verbinden. Die Sonne war am Untergehen und man konnte sie gerade noch zwischen Horizont und dem, mit Wolken bedeckten, Himmel durchschimmern sehen. Sie strahlte ein ungewöhnlich rotes Licht aus, was ein wenig unnatürlich aussah. Das rote Licht hüllte die komplette Stadt und die Straßen ein und schien jeden Winkel in der Umgebung zu treffen. Sie schob die weiche Decke zur Seite. Die warme Luft, die sich darunter angesammelt hatte, verflüchtigte sich innerhalb weniger Sekunden. Kalte Luft umhüllte sie nun und sie begann leicht zu frieren. Sie bewegte sich leise und vorsichtig, stand auf und lief auf Zehenspitzen ins Badezimmer. Dort nahm sie ihre Kleidung, welche etwas trockener war, aber immer noch feucht, und zog sie an. Sie verließ das Badezimmer und nahm ihre Schuhe in die Hand, welche immer noch völlig durchnässt waren. Ein letztes Mal blickte sie über ihre Schulter und sah ihn schlafend auf dem Sofa liegen. Die Decke lag nur noch über seinen Beinen und Oberkörper und Füße lagen frei. Sie stellte ihre Schuhe an dieselbe Stelle und lief leise zum Sofa. Sie nahm die Decke und zog sie zurecht, sodass er komplett unter der Decke lag. Dann ging sie zur Tür, nahm ihre Schuhe und trat nach außen. So vorsichtig und leise wie möglich schloss sie die Tür und lief die alte Treppe nach unten.
Es regnete noch leicht, als sie die Straße betrat. Ihre Schuhe behielt sie aber noch in der Hand. Sie spürte den kalten Asphalt an ihren Füßen. Ein Schauer lief über sie und es fror sie leicht. Ihre Schritte beschleunigten sich, da auch ihre Füße immer kälter wurden. Plötzlich überkam sie ein Gefühl der Leere. Sie kannte das Gefühl sehr gut und das letzte Mal, als sie so etwas gefühlt hatte, war gar nicht so lange her. Zu Beginn des Gewitters, als sie auf den Straßen entlang lief, hatte sie genau dieses Gefühl gehabt. Es war verschwunden als sie den Hauseingang betreten hatte, aber nun war es wieder da. Ihr kam es so vor, als wäre es stärker denn je. Sie kam dort an, wo sie vor dem Gewitter hin wollte. Als erstes wechselte sie die Kleidung. Es war nun auch sehr spät geworden und sie war vom vielen Laufen im Regen müde und durchgefroren, sodass sie sich in ihr Bett legte und versuchte zu schlafen. Die Sonne war mittlerweile untergegangen. Eigentlich war Vollmond, doch man konnte den Mond, dank des mit Wolken bedeckten Himmels nicht sehen. Winzige Regentropfen prasselten gegen ihr Fenster und erzeugten ein beruhigendes Rauschen. Das Gefühl der Leere hielt immer noch an. Das Rauschen des Regens beruhigte sie ein wenig und wirkte diesem Gefühl entgegen, doch es verschwand nicht. Unruhig warf sie sich hin und her und konnte kaum einschlafen. Nach einigen Stunden überwältigte sie doch die Müdigkeit und sie schlief ein.
Als sie aufwachte, war er es schon hell. Der Regen hatte aufgehört. Sie sah auf die Uhr: 12:18 Uhr. Obwohl sie ziemlich lange geschlafen hatte, war sie immer noch müde. Ihre Augen fielen fast zu und ihre Arme und Beine waren schwer. Sie kroch aus dem Bett und lief barfuß über den kalten Boden. Es fiel ihr sehr schwer zu laufen. Ihre Beine fühlten sich an, als wären sie aus Blei. Ihre Schultern waren ebenfalls schwer, was sich in ihrer Körperhaltung abzeichnete. Sie betrat die Küche, öffnete den Kühlschrank. Ihr Magen knurrte. Obwohl sie offensichtlich Hunger hatte, fehlte ihr der Appetit und bei dem Gedanken an Essen machte sich sogar eine leichte Übelkeit breit. Sie starrte noch eine halbe Minute in den offenen Kühlschrank, bis sie ihn wieder schloss und zurück zu ihrem Bett lief. Sie ließ sich darauf fallen, wie ein großer Stein, den man ins Wasser wirft. Nach wenigen Sekunden schlief sie ein. Sie schlief sehr unruhig und träumte schlecht. Als sie mit einem Herzklopfen aufwachte, wusste sie nicht mehr, was sie geträumt hatte. Es muss etwas wirklich Schlimmes gewesen sein, denn ihr war nach Weinen zumute. Das war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie nach einem Traum so etwas fühlte. Sie stand auf und machte Musik an. Vielleicht würde das ja dabei helfen, dieses bedrückende Gefühl loszuwerden. Sie legte sich wieder hin und lauschte der Musik, während sie Wände und Decke musterte. Sie tat einfach nichts, lag nur da und starrte vor sich hin. Manchmal schweifte sie mit ihren Gedanken ab und hörte nicht einmal mehr die Musik. Das Gefühl ging weg. Abgelöst wurde es von einer Leere. Derselben Leere, die sie nach verlassen der Wohnung verspürt hatte. Durch diese Leere fiel es ihr noch leichter, nichts zu tun und einfach nur so dazuliegen. Es war nicht einmal schlecht. Es war einfach nur leer. Wenn sie in sich hinein hörte, auf ihre Gedanken achtete oder probierte, ihre Gefühle zu spüren, war einfach nichts da. Sie war einfach leer.
Die Leere hielt an. Für den Rest des Tages. Für den Rest der Woche. Für den Rest des Monats. Sie fühlte nichts, spürte nichts, dachte nichts. Die Tage verstrichen und zogen an ihr vorbei. Ein Zeitgefühl hatte sie schon lange nicht mehr. Eines Abends, als sie sich gerade in ihr Bett gelegt hatte, war da etwas, was die Leere füllte. Ein Gefühl der Traurigkeit. Schlagartig war ihr danach zu weinen. Sie wusste nicht, wieso und auch nicht, was der Auslöser hätte sein können. Und plötzlich fing sie auch an zu weinen. Es war, als würde ihr ein Loch in ihr Herz gerissen werden. In ihrer linken Schulter baute sich ein Druck auf, der nicht wirklich schmerzte, aber doch ein sehr unangenehmes Gefühl hinterließ. Ihr ganzer Körper fühlte sich unangenehm an, sie fing an zu zittern. Es war, als würde die Welt zusammenfallen, als würde ihr die Decke auf den Kopf fallen, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen werden, als würde sie hinfallen und nicht mehr aufstehen können. Auch konnte sie sonst nichts tun. Es war, als wäre sie gelähmt. Sie lag da, weinte und starrte ins Dunkle der Nacht. Irgendwann konnte sie aufhören, zu weinen. Dann schlief sie ein.
Die nächsten Wochen und Monate waren wieder von Leere durchzogen. Ab und zu setzte wieder dieser Druck in der Schulter, diese Traurigkeit ein. Die Abstände zwischen Leere und Traurigkeit wurden immer kürzer. Die Phasen der Traurigkeit wurden immer länger. Anfangs war es oft nur ein Abend. Mittlerweile waren es ein bis zwei Wochen. Nun war nicht die Leere ab und zu mit Traurigkeit gefüllt, sondern die Traurigkeit ab und zu mit Leere.
Mittlerweile war es Winter geworden. Sie wusste schon lange nicht mehr, wie sich Sommer anfühlte, selbst als es noch Sommer war. Es war ein milder Winter, eigentlich ein sehr warmer Winter. Es war Januar. Schnee war kein einziges Mal gefallen und die Temperaturen sanken nie unter 0°C, nicht einmal nachts. Tagsüber hatte es meist um die 10°C. Es war wohl der wärmste Winter seit Ewigkeiten. Die Feiertage hatte sie allein unter ihre Decke verbracht. An diesem Tag war es besonders warm. Sie hatte das Fenster geöffnet und lag nur so da, wie sie es oft tat. Ein kleiner Lufthauch zog in das Fenster und ließ ein paar Blätter Papier, welche auf dem Schreibtisch lagen, rascheln. Der Lufthauch zog weiter und brachte einige Kleidungsstücke zum Wackeln, welche über einem Stuhl hingen. Am Ende seiner kleinen Reise durch ihr Zimmer erreichte der Wind ihr Gesicht und tanzte um es herum und schmeichelte ihr auf der Haut. Es war ein Gefühl, als würden Fingerspitzen einer fremden Hand über ihr Gesicht fahren. Ganz vorsichtig und ruhig. Es war das Beruhigendste, was ihr seit Monaten widerfahren war. Zum ersten Mal seit dem Gewitter im Sommer fühlte sie sich ein wenig glücklich. Der Wind schmeichelte weiter um ihr Gesicht und berührte sie nun auch am Hals. Plötzlich überkam sie ein unglaublicher Drang. Der Drang war so groß und kam so schnell, dass sie erst einmal gar nicht wusste wohin damit. Sie wusste noch nicht einmal, dass es einen so großen Antrieb und einen so starken Drang überhaupt gab. Als hätte sie es vergessen. Sie musste irgendetwas tun. Aber was nur? Sie dachte darüber nach, wofür sie ihn wohl am besten einsetzen sollte, denn er würde ja wahrscheinlich auch nicht ewig halten. Dann muss er also gut genutzt werden. Sie wog einzelne Möglichkeiten ab. Während sie so nachdachte, überkam sie plötzlich ein Gefühl der Abneigung und des Ekels. Diese Abneigung richtete sich gegen alles, was um sie herum war. Gegen die Möbel in ihrem Zimmer. Gegen das Fenster. Gegen das Haus. Gegen die Straße. Gegen den Stadtteil. Gegen die Stadt. Gegen alles, was gerade um sie herum war. Plötzlich wusste sie, wozu sie den Antrieb benutzen sollte.
Sie stand auf, nahm einen Rucksack und packte einige Kleidungsstücke hinein. Danach ging sie in den Flur, nahm eine Jacke vom Kleiderhaken und zog sich ein Paar Schuhe an, öffnete die Tür und lief nach draußen. Sie lief die Straße runter, bis sie an eine Kreuzung kam. Dort lief sie nach links und ging auch diese Straße runter. Nach einer Weile trat sie am Ortsschild vorbei und lief auf dem geteerten Fahrradweg, neben einer Bundesstraße. Das machte sie, bis sie an einen Feldweg kam, in den sie auch einbog. Dort lief sie auch eine Weile, bis sie an einem kleinen Stück Wald entlang lief. Sie blieb stehen, musterte die Bäume und lief dann in den Wald. Die Sonne ging gerade unter und suchte sich ihren Weg durch die Bäume hindurch. In der dunstigen Luft hinterließ sie Strahlen, die die ganze Szene so aussehen ließen, als würden diese Strahlen durch die Luft schneiden und diese teilen. Das Licht verschwand sehr schnell und bald war es ziemlich dunkel. Man konnte kaum von einem Baum zum anderen sehen. Sie suchte sich also eine kleinere freie Stelle auf dem Boden, legte ihren Rucksack ab und ihren Kopf darauf. Nach wenigen Minuten schlief sie ein. Sie träumte nichts. Nicht Gutes und nicht Schlechtes. Einfach nichts. Sie wachte auf, als der erste Sonnenstrahl durch die Bäume brach. Es war der wohl erholsamste Schlaf, den sie seit Monaten hatte. Zum ersten Mal fühlte sie sich einigermaßen ausgeschlafen und nicht, wie sonst immer, leer und ausgelaugt.
Sie stand auf und lief weiter. Zwischen Bäumen hindurch, über umgestürzte Stämme, über größere Gesteinsbrocken, durch Gestrüpp und Gebüsch. Es war irgendwie absurd, hier einfach so zwischen Bäumen zu laufen, aber gleichzeitig hatte es irgendwas Befreiendes. Es fiel ihr auch ziemlich leicht. Ihre Beine schmerzten nicht und sie fühlte sich auch kaum müde. Allerdings war es nicht so, dass sie nun plötzlich mit aller Leichtigkeit hier herumlief. Irgendwie fühlte sich ihr Inneres immer noch gefangen zwischen Traurigkeit und Leere. Ab und zu brach beides wieder durch die Oberfläche hindurch, doch der Antrieb hielt stand. Sodass sie in dieser Zeit zwar nicht glücklich war, aber eben auch nicht traurig. Der Wind wehte wieder leicht und schien sie zu treiben und mitzunehmen. Obwohl es Winter war, war ihr kein einziges mal kalt gewesen. Nicht einmal, als sie Nachts auf dem Boden geschlafen hatte. Die Sonne schien hell, doch die Blätter und Äste der Bäume hielten das Licht größtenteils ab und so war es im Wald, selbst tagsüber, ziemlich dunkel. Auf einmal konnte sie zwischen den Bäumen eine helle, glänzende Fläche entdecken. Sie schien noch weit weg zu sein und es war eher ein kleiner Strich am bewaldeten Horizont. Sie lief ein bisschen schneller. Die Fläche wurde immer größer, bis sie erkennen konnte, dass sich die Sonne darin spiegelte. Sie rannte die letzten Meter fast. Als sie durch die letzte Reihe von Bäumen hindurch trat stand sie an dem Ufer eines kleinen Sees. Er hatte vielleicht die Größe von drei Vierteln eines Fußballfeldes und war komplett von Wald umschlossen. Die Sonne, die sich auf der Wasseroberfläche spiegelte, blendete sie, sodass sie im ersten Moment die Augen zukneifen musste. Ein leichter Wind wehte über den See. Als sie sich endlich an die Sonne gewöhnt hatte, ließ sie ihren Blick über den See schweifen. Am gegenüberliegenden Ufer des Sees konnte sie eine kleine Hütte erkennen. Man konnte von hier aus schon erkennen, dass sie ziemlich zerfallen war, trotzdem lief sie los.
Der Weg zur Hütte gestaltete sich schwieriger als gedacht. An einigen Stellen reichte der Wald bis zum Ufer, an anderen Stellen versperrten Steine, umgestürzte Bäume oder Gebüsch den Weg, sodass sie immer wieder ein kleines Stück in den Wald ausweichen musste, um weiter zu kommen. Schließlich kam sie an der Hütte an. Sie war zerfallener, als sie es erwartet hatte. Die Fenster, waren mit Fensterläden verschlossen und man konnte sehen, dass das Dach einige Löcher hatte. Die Tür der Hütte fehlte gänzlich. Über dem Eingang gab es ein kleines Vordach, welches mit zwei Balken gestützt wurde, von denen der eine bedrohlich verfault aussah. Die Hütte war um die zwei Meter vom Ufer entfernt und man konnte an dieser Stelle sogar direkt an den See herantreten, da dort keine Sträucher oder Schilf wuchsen. Direkt links neben dem Bereich des Ufers, an dem man den See erreichen konnte, stand ein großer alter Laubbaum, dessen Äste und Blätter teils über den See, teils über das Ufer, ragten. Sie reichten teilweise fast bis zur Hütte. Wie ein weiteres Dach sah das Geflecht der Äste aus. Eine der großen Wurzeln ragte etwas in das Wasser hinein, sodass man sich wunderbar darauf setzen konnte. Sie zog ihre Schuhe und ihre Socken aus und ließ ihre Füße ins Wasser gleiten. Es war ziemlich angenehm und entspannend. Plötzlich packte sie eine weitere Welle des Antriebs. Sie stand auf, zog sich aus und legte ihre Kleidung sorgfältig auf den Rucksack. Dann ging sie zum Ufer, setzte einen Fuß ins Wasser, danach den anderen. Sie ging noch zwei weitere Schritte, bis sie sich nach vorne ins Wasser fallen ließ. Das Wasser war eiskalt. Zuerst blieb ihr die Luft weg, doch dann gab ihr die Kälte etwas Befreiendes. Die Kälte weckte ihren Körper auf und das Blut strömte wieder hindurch. Der erste Atemzug nach dem Auftauchen war der wohl befreiendste Atemzug ihres ganzen Lebens. Sie ließ sich nach oben treiben und blieb an der Wasseroberfläche liegen. Ihr Blick fiel in den tiefen, blauen Himmel über ihr. Wenn man genau hinsah konnte man sogar schon einige Sterne erkennen. Mit leichten Bewegungen ließ sie sich zurück an das Ufer treiben und nahm ein altes Handtuch, das sie mitgenommen hatte, und trocknete sich ab. Sie band sich das Handtuch um und setzte sich auf die Wurzel.
Plötzlich sah sie am gegenüberliegenden Ufer einen anderen Menschen. Sie hob ihre Hand und winkte. Der Mensch winkte zurück. Dann sprang er ins Wasser, fing an auf sie zu zu schwimmen. Als er aus dem Wasser heraustrat war seine Kleidung völlig durchnässt und Tropfen fielen auf die Wasseroberfläche. Er zog seine Kleidung aus und warf sie über die Äste des Baumes, sodass sie, wie an Wäscheleinen herunterhingen und trocknen konnten. Gerade als er damit fertig war, gab sie ihm das Handtuch und er trocknete sich damit ab. Sie setzten sich wieder auf die Wurzel und legten das Handtuch über ihren Schoß, damit ihnen nicht kalt wurde. Sie saßen einfach nur so da und beobachteten den See und das Ufer. Sie ließ ihren linken Fuß mit kreisenden Bewegungen über das Wasser fahren und tauchte ab und zu ihre rot lackierten Zehen in das Wasser, sodass Muster und kleine Wellen entstanden, die sich gegenseitig wieder aufhoben oder verstärkten. Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter und sie ließ weiter den Fuß übers Wasser kreisen. Langsam bewegte sich die Sonne auf den Horizont zu und stand nun direkt über den Wipfeln der Bäume. Sie spiegelte sich auf der Glatten Oberfläche des Sees, und lies die ganze Umgebung in einem golden-rötlichen Licht erscheinen. Wenig später verschwand sie fast hinter den Bäumen. Beide standen auf und liefen zur Hütte. Vorsichtig ging er an den Balken vorbei und trat hinein. Zuerst einmal öffnete er den Fensterladen. Die eigentliche Fensterscheibe war nicht mehr vorhanden. Entweder wurde sie wohl eingeschlagen und die Splitter in alle Richtungen getragen oder beim Verlassen der Hütte mitgenommen. Sofort wurde es in der Hütte heller, als das restliche Tageslicht sich seinen Weg hinein suchte. In der Hütte gab es nicht mehr viel: Eine Art Bett stand in der Ecke, worauf eine alte, aber immer noch ziemlich passabel aussehende Matratze lag, neben dem Bett stand ein kleines Schränkchen mit Schubladen und darauf eine alte Öllampe, in der sich noch etwas Öl befand. Mehr war in der Hütte nicht mehr zu sehen. Auf dem Boden konnte man noch Abdrücke von anderen schweren Möbeln sehen, die hier mal gestanden haben mussten.
Die Sonne war nun fast hinter dem Horizont verschwunden und der Mond war schon vollkommen aufgegangen. Es war Vollmond und so schien das silberne Licht hinein und erhellte das Innere der Hütte ein wenig. Er kramte in seinem Rucksack herum und zog einige Streichhölzer heraus, womit er die Lampe anzündete. Ein warmes, rötliches Licht durchströmte die Hütte, welches sich mit dem silbernen Licht des Vollmondes vermischte und das wohl wärmste und gemütlichste Licht schuf, das man sehen kann. Er legte sich auf die Matratze und blickte durch das geöffnete Fenster. Man konnte direkt den Mond und die umliegenden Sterne sehen. Sie legte sich ebenfalls auf die Matratze. Sie drehte sich ein wenig zur Seite und er tat es ihr gleich. Sie küssten sich. Als sich ihre Lippen berührten fühlten sie sich angekommen. Die Leere und die Traurigkeit waren verschwunden. Der Druck auf der Schulter ließ vollständig nach. Es folgten viele weitere wunderbare, vorsichtige, vertraute und warme Berührungen. Der Mond schien weiter durch das Fenster. Irgendwann war das Öl der Lampe aufgebraucht und das Licht der Lampe versiegte, doch der Mond erhellte weiterhin alles. Beide schliefen ein. Der Mond schien. Die Traurigkeit und die Leere waren verschwunden. Ob sie jemals wieder zurück kommen würden, wusste sie nicht, aber das spielte gerade auch keine Rolle. Das silberne Licht schien auf die Körper der beiden, wie sie so dalagen, unter dem geöffneten Fenster, in einer Nacht eines schneelosen Winters.

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